40 jahre danach: prof. wolfff LP reissue

Wolfff
Prof. Wolfff (von links) : Klaus-Peter Schweizer, Romi Schickle und Fritz Herrmann vor dem Regiepult von Schickles Studio 2 in Neu-Ulm. Foto: Lars Schwerdtfeger

 

wir waren pioniere
(Helmut Pusch, süwestpresse ulm, 11.11.2011)

40 Jahre ist es her, dass die Ulmer Band Prof. Wolfff ihr erstes und einziges Album aufnahm. Ein Sammlerstück, nicht nur in Ulm. Von heute an ist dieses Album wieder im Handel - als Vinyl-Platte.

Deutschland 1971. Krautrock-Zeit. Die deutschen Musiker suchten eigene Wege, Rock zu spielen - meist zu englischen Texten. Es gab nur wenige Ausnahmen: "Ihre Kinder" oder die Politrocker "Floh de Cologne" und eine Band aus Ulm: Prof. Wolfff. "Wir waren damals Pioniere", sagt Sänger und Gitarrist Klaus-Peter Schweizer und erinnert sich, dass deutsche Texte damals heiß diskutiert wurden. Nicht nur deren Inhalte, sondern auch die Frage, ob man zu Rockmusik überhaupt deutsch singen sollte. "Nachdem unsere Platte erschienen war, bekam ich den Hinweis, dass sie im Rundfunk besprochen werden sollte." Natürlich wartete die Band gespannt darauf. Und dann kam der Verriss: Vor dieser Band müsse man warnen. Rockmusik und deutsche Texte, das ging ja gar nicht, so lautete der Tenor des Kritikers.

Was heute seltsam anmutet, ist nur aus der Zeit heraus zu verstehen. Deutsche Texte standen damals vor allem für Schlager. Der gehörte zur Generation der Eltern, von der sich Anfang der 70er Jahre die jungen Menschen distanzieren wollten - auch durch ihre Musik. "Musik war damals mehr als nur konsumierbarer Klang, sie hatte eine sozialpolitische Funktion", sagt Schweizer. "Die Leute kamen in Konzerte, um wirklich zuzuhören", sagt Gitarrist Fritz Herrmann (Friedrich Glorian). "Damals kamen gerade die Jugendhäuser auf. Nach unseren Konzerten wurde da ganz schön heftig diskutiert." Auch über die Texte der Band. "Einmal kamen die auf die Verhältnisse in Chile, die waren da so gut informiert, dass wir gar nicht mehr mithalten konnten", erinnert sich Organist Romi Schickle. Ausgelöst hatte die Diskussion der Titel "Hetzjagd", in dem Schweizer die Jagd auf Kommunisten aufs Rotwild übertragen hatte. Kostprobe: "Treiber lärmen, ja man hat die Spur / Schweißbedeckte Pferde jagen Rotwild nur / Den Geruch in der Nase und die Zunge hängt raus, / Der Kreis ist geschlossen, jetzt ist es bald aus. / Blutfäden rinnen, man begafft die Beute, / die Jagd war erfolgreich, zufrieden die Leute." Was damals die Rockfans teilte, ist von heute an wieder in der Originalversion erhältlich: das Album von Prof. Wolfff auf Vinyl mit dem Orginalcover und einem Booklet, das auch das Plakat zeigt, mit dem die Musiker für ihre Konzerte warben. Gezeichnet hat es Kraan-Bassist Hellmut Hattler.

Entstanden ist das Album im Oktober 1971 im Stuttgarter Studio des Jazzers Horst Jankowski. "Wir hatten damals keine Ahnung von der Arbeit im Studio", sagt Schickle. "Auch für die Leute im Studio waren wir völlige Exoten. Als Fritz seine Gitarre eingestellt hatte, meldete sich der Ton-Ingenieur mit dem Hinweis, dass die Gitarre verzerre. Da mussten wir erst mal erklären, dass dieser Klang gewollt sei."

Überhaupt die Technik: "Die Platte wurde damals auf vier Spuren mitgeschnitten. Das heißt, wir mussten alles komplett am Stück einspielen", sagt Schickle. "Wenn einer einen Fehler machte, hieß das: Alles nochmal von vorn." Reich geworden sind die Ulmer damals nicht. Ganze 400 Platten verkaufte die Plattenfirma Metronome damals. Die sind heute gesuchte Sammlerstücke - weltweit, ein Blick ins Internet zeigt: Prof. Wolfff hat nicht nur in Ulm noch viele Fans.

 

Drei der fünf Musiker von Prof. Wolfff haben die Musik zu ihrem Beruf gemacht: Romi Schickle betreibt in Neu-Ulm das Studio 2, produziert dort Künstler wie Chris Norman, Chris Thompson und Siggi Schwarz.

Fritz Herrmann wechselte nach Prof. Wolfff von der Gitarre zum Bass, studierte an der Jazzschool in München, ging nach Indien, wo er indische Quertrommel lernte. Unter dem Künstlernamen Friedrich Glorian lebte er als Musiktherapeut in Frankreich und wohnt seit 2002 wieder in Ulm.

Klaus-Peter Schweizer wurde Komponist und Texter, hatte Mitte der 80er Jahre als Interpret mit dem Titel "Dreizehn Tage und Nächte" einen Top-TenErfolg. Bassist Detlev Zech starb 1995, Schlagzeuger Michael Sametinger starb 2008.

Das Album Prof. Wolfff ist von heute an im Internet erhältlich:
www.collectorrecords.de
prof. wolfff.de
myspace.com/profwolfff
last.fm/prof. wolfff